Gegenwart

Es ist still geworden um Burg Raaf. Aus der imposanten Trutzburg, die einst Mensch und Tier Schutz bot in der Not, ist eine Ruine geworden. Ihre wichtige Funktion ist heute Geschichte. Kein Leben füllt mehr die Räume, niemand genießt mehr die Aussicht auf das umliegende Land und nennt den Wohnturm sein herrschaftliches Zuhause. Die Burg der Raben bietet heute nur einem Turmfalkenpärchen ein standesgemäßes Zuhause. Zweimal im Jahr nistet es im Schutz der Zinnen und unterweist den Nachwuchs im Sturzflug aus luftiger Höhe. Dagegen schaden die Wildgänse von Eynatten dem Bauwerk. Ihre wenig elegante Art der Landung hat die Ecktürme schon so manchen Stein gekostet. Heftige Stürme beschleunigen zudem den Abbau. Eine Foto von 1923 verdeutlicht den vergleichsweise raschen Verfall in der Neuzeit.

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Stummer Zeitzeuge

 

Ausgehöhlt und mit gähnend schwarzen Löchern an Stelle der Fenster wirkt der Turm an grauen Wintertagen gespenstisch wie ein steinerner Totenschädel. Doch was muss dieses Denkmal vergangener Zeiten alles „erlebt“ haben in den knapp 700 Jahren seit seiner Errichtung? Kriege und Hungersnöte, Geburten und Todesfälle, Freude und Leid. Er war Zeuge der beiden großen Pestepidemien zwischen 1348 und 1648, zwangsweise eine Herberge für spanische Truppen im 16. Jahrhundert und Zielscheibe amerikanischer Soldaten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Vergleich zu diesem Monument scheint ein Menschenleben wie ein kurzer Augenblick und doch ist auch seine Vergänglichkeit unleugbar.

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Gefährdetes Kulturgut

 

Wer heute den Weg auf den Hof findet, kann nicht umhin, der ehemals stolzen Burg Bewunderung zu zollen, oftmals gemischt mit Wehmut angesichts ihres Zustands. Der Heimatforscher und Priester Christian Quix aus Aachen konstatierte bereits 1836: „Schade, dass dieses alte Schloss nicht im Baue erhalten worden ist, welches leicht geschehen konnte, da seine Gebäulichkeiten nicht weitschichtig sind.“ Der jetzige Besitzer sieht von einem Wiederaufbau ab, und so ist Burg Raaf dem Verfall preisgegeben. Auch der Denkmalschutz (Erlass von 1986) rettet sie nicht. Die Zeit nimmt ihren unaufhaltsamen Lauf und lässt lediglich die Hoffnung zu, dass dieses Wahrzeichen Eynatten noch eine Weile erhalten bleibt.