Objektbeschreibung

Der Wohnturm mit den Ausmaßen 12 x 20 Meter wurde 1350 erbaut, besitzt drei Achsen und besteht aus Bruchstein-mauerwerk im Verband. Dem Sockel aus großen Bruchsteinquadern mit Eisengehalt folgen bis zum dritten Geschoss kleinere, aber ähnlich breite Bruchsteine. Die Bänderung im vierten Geschoss  – Streifen von abwechselnd helleren und dunkleren Steinen – ist typisch für die Bauform der Maasländischen Renaissance und wird auch als Speckschicht bezeichnet. Die runden Ecktürme sind ebenfalls gebändert und sitzen auf Konsolsteinen.
Der Turm weist drei Bauphasen auf: Der Sockel stammt aus dem 14. Jahrhundert, die drei unteren Stockwerke aus dem 15. und 16. Jahrhundert und die obere Partie aus dem 18. Jahrhundert.

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Die Hauptfassade ist nach Osten zum Innenhof hin ausgerichtet. Über eine Bogenbrücke war der Turm mit dem Gehöft verbunden. Die Brücke wurde später durch eine heute nicht mehr existente Freitreppe ersetzt. Eines der beiden ehemaligen Wirtschaftsgebäude ist auf das Jahr 1792 datiert. Im Lauf der Zeit erfuhr vor allem das Haupthaus starke bauliche Veränderungen. Vereinzelt sind noch Überreste der alten Vorburg vorhanden.

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Raaf war eine allseits von Wassergräben umgebene Anlage. Der Burggraben hatte eine Ausdehnung von zwei Morgen, also 5.000 bis 7.000 m2, sodass der Turm als uneinnehmbar galt. Ursprünglich besaß er nur einige kleine Fensteröffnungen. Die meisten sind noch zu erkennen, aber zugemauert. Im Sockel befinden sich drei Schießscharten. Die Nordseite weist auf Höhe der ersten Etage die Reste einer auf Sockel befindlichen Außentoilette auf.

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Burg Raaf wurde im 15. und 16. Jahrhundert neu aufgebaut. Im 18. Jahrhundert sorgten breitere Fensteröffnungen sowie ein zusätzliches Stockwerk für mehr Wohnkomfort. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist der Turm unbewohnt. 1832 wurde das Dach entfernt, um eine unverhältnismäßig hohe Steuer zu umgehen. Bauwerke ohne Dach waren nach preußischem Erlass von dieser Steuer ausgenommen. Es existieren keine Abbildungen von der überdachten Burg, jedoch ist anzunehmen, dass sie wie bei Wohntürmen üblich ein Satteldach besaß. Der Turm ist heute hohl, Böden, Fenster und Türen sind verschwunden. Im seinem Inneren sind an der Südseite noch die Fragmente eines Kamins zu erkennen.