Vergangenheit

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Wappen von Eynatten mit Merletten, entenartige gestutzte Vögel.

Eynatten wird das erste Mal urkundlich 1213 als Teil des Herzogtums Limburg erwähnt, dessen Kerngebiet im Nordosten des heutigen Belgien lag.

1430 erfolgte die Eingliederung von Brabant und Limburg an Burgund. 1477 fiel die Region an Habsburg und 1555 an Spanien. Nach dem spanischen Erbfolgekrieg gingen Brabant und Limburg 1714 an die österreichischen Habsburger. Unter der französischen Herrschaft gehörte Eynatten ab 1794 zum Département de l’Ourthe.

Im Wiener Kongress wurden die Territorien 1815 preußisches Staatsgebiet und zählten somit zum Deutschen Kaiserreich. Durch Beschluss des Friedensvertrag von Versailles wurde das Eupener Land 1920 Belgien unterstellt.

Im Zweiten Weltkrieg besetzten deutsche Truppen 1940 die Region. Am 11. September 1944 wurde die Bevölkerung durch die Amerikaner befreit. Die Alliierten übergaben das Gebiet zurück an Belgien. Die letzten deutschen Soldaten verließen 1945 das Land.

 

Eynatten und der Adel

 

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KIrchenfenster in der Pfarrkirche von Eynatten.

Der Ortsname geht zurück auf ein gleichnamiges Adelsgeschlecht aus Limburg, das sich im 13. Jahrhundert dort niederließ. Erstmals findet ein Heldricus de Einatten 1213 Erwähnung. Ritter Johann von Eynatten begründete Mitte des 13. Jahrhunderts die ununterbrochene Stammreihe. Die Familie, von der Zweige bis heute bestehen, galt lange Zeit als eine der einflussreichsten zwischen Maas und Rhein.

Ausgrabungen im 19. Jahrhundert zufolge befand sich der Stammsitz im heutigen Dorfzentrum. Die Burg wurde jedoch schon 1410 wieder aufgegeben. Bis auf einen Teil der Ringmauer, die das Anwesen umgab, sind keine Spuren mehr ersichtlich. Mit dem „Großen Haus“ (heute Vlattenhaus) und dem „Kleinen Haus“ (heute Amstenrather Haus) entstanden neue Herrenhäuser in unmittelbarer Nähe der ursprünglichen Burg. Ende des 13. Jahrhunderts ließen die Freiherren eine Kapelle an der Stelle errichten, wo sich heute die Pfarrkirche von Eynatten befindet.

Rund um die Burg siedelten sich zunächst Bauern an, die für die adlige Herrschaft arbeiteten und im Gegenzug unter ihrem Schutz standen. Ab dem 15. Jahrhundert waren es wie im benachbarten Raeren die Töpferer, die für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgten.

 

Von Burgen und Enten

 

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Lateinischer Wappenspruch
„Enatent Vel Evolent“:
Sie schwimmen oder fliegen weg.

Johanns gleichnamiger Sohn heiratete Johanna von Neubourg und bezog 1410 die Burg Neubourg (Neuerburg), die sich bei Gulpen im niederländischen Limburg befindet. Seine vier Söhne begründeten die Linien zu Obsinnich, Lichtenberg, Neuerburg und Reimersbeek. Einzig die letzte Linie blieb erhalten, von der alle weiteren Zweige der Familie abstammen.

Nur wenige Kilometer entfernt lebte auf Burg Raaf eine weitere adelige Familie, die Crümmel von Eynatten. Die geographische Nähe mag verwundern, doch weist das Dreiländereck generell eine hohe Anzahl an Adelssitzen auf.

Eynatten kann bis in die Gegenwart sechs Herrenhäuser verzeichnen: Haus (Burg) Raaf, Haus Stester, Haus Amstenrath, das Vlattenhaus, Haus Lamberts und Gut Neuenhof. Die Wasserburgen sind größtenteils noch von den damals angelegten Weihern umgeben, weshalb Enten und Wildgänse seit jeher hier beheimatet sind. Die Merletten in den Wappen von Eynatten – Enten ohne Schnäbel und Füße – sind zwar eine gebräuchliche Wappenzierde, dennoch könnten sie auf diese regionale Besonderheit verweisen.

 

Ritter Krummfuß

 

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Das Wappen der Crümmel zeigt als Helmzier ein nach oben gerichtetes rotes Bein im Harnisch.

Burg Raaf war ein Lehngut des Aachener Marienstiftes und wurde 1350 vom limburgischen Adelsgeschlecht De Raeve erbaut, von dem es seinen Namen erhielt. Im Alter von nur 20 Jahren erwarb Johann Crümmel von Eynatten 1380 das Gut.

Der Name Crümmel (auch Crummel oder Krummel) lässt sich zurückführen auf den Beinamen „Krummfuß“: Ein Dietrich Crumpvuys d’Eynatten soll zwischen 1353 und 1355 im Auftrag des Herzogs von Limburg Kaufgeschäfte getätigt haben. Meist leiten Sippschaften ihren Namen vom Geburtsort ab, doch hier hat sich anscheinend ein individuelles Merkmal auf die gesamte Familie übertragen.

Ende 1369 unterzeichneten die Ritter Crümmel ihren Beitritt zum Landfriedensbündnis Maas-Rhein, das 1351 zwischen den Städten Köln und Aachen sowie dem Herzog von Brabant geschlossen wurde. Dennoch wurden immer wieder Kaufmannszüge im Jülicher Land überfallen, weshalb Peter Crümmel und Johann von Eynatten 1371 gegen die Herzöge von Jülich und Geldern zu Felde zogen. Der Einsatz der Ritter von Eynatten war nicht von Erfolg gekrönt, doch ließen sie nicht ihr Leben wie so viele in der Schlacht von Baesweiler.

Die Crümmel von Eynatten verbanden sich durch Heirat mit anderen Junkerfamilien der Umgebung wie den Schwarzenberg, den de Lamboy und den Bertolf von Belven. Die Familie zählte bis in das 17. Jahrhundert hinein zu den mächtigen Großgrundbesitzern, die neben Raaf weitere Güter in Walhorn, Merols und Henri-Chapelle besaßen. 1647 gehörten zur Burg noch rund 200 Morgen Land, was ungefähr 600.000 m2 entspricht. Odilie Crümmel war der letzte weibliche Spross des Geschlechts. Der Name Crümmel erlischt mangels männlicher Erben mit ihrem Tod 1672. Von Mitte des 17. Jahrhunderts bis Ende des 18. Jahrhunderts befand sich Raaf im Besitz der Familie von Lomboy. Durch den Verkauf des Gutes an den Schöffen Arnold Schmetz endet 1776 die Reihe der adligen Besitzer.

 

 

 

 

 

 

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